Heute ist mir bewusst geworden, dass ich immer noch Groll in mir trage, andere Menschen verurteile und meine es besser zu wissen. Da ist noch etwas Belehrendes in mir, dass meint es selbst richtig zu machen. Ich halte mich an Regeln und der andere Mensch nicht. Doch um welche Regeln geht es hier genau? Sind es meine eigenen oder die meiner Eltern, der Gesellschaft? Wer darf überhaupt bestimmen, welche richtig und falsch sind? Wie fühlen sich diese Regeln für mich an und was macht das in und mit mir, wenn ich anklagend den Finger auf andere richte?
Ich sehe einen Pflock vor mir, an dem ich angebunden bin. Ich kann mich in einem bestimmten Radius bewegen. Ich stehe in der Mitte dieses Kreises und kann nicht über die Grenze hinaus, denn das Seil, dass mich umschlingt, lässt nur ein paar Schritte zu.
Ich blicke auf und bemerke ganz viele andere Menschen, denen es genauso geht. Sehr bestimmt und mit ernstem Gesicht werden Runden im Kreis gedreht und dabei auf die Nachbarn gezeigt.
„Dein Kreis ist dreckig, putzt den mal! Das sieht ja schlimm aus!“
„He, da sitzt einer nur rum und macht ja gar nichts! So geht das aber nicht!“
„Sieh doch wie ich das mache, so ist es richtig!“
Alle sind so damit beschäftigt auf jemand anderen zu zeigen, dass sie gar nicht das Seil bemerken, welches sie selbst umschlingt. Je mehr kritisiert und der Finger gehoben wird, umso fester zieht es sich um den Körper zusammen, nimmt die Luft zum Atmen und der fehlende Sauerstoff lässt uns keinen klaren Gedanken mehr fassen. Wut und Groll nehmen zu, denn es geht uns schlechter und Schuld daran scheint der Andere zu sein…
Mir fällt plötzlich auf, dass an den Pflöcken nur erwachsene Menschen angebunden sind. Vor einigen Kreisen stehen Kinder und beobachten, was um sie herum geschieht und wie sich die eigenen Eltern verhalten. Vereinzelt versuchen die Kleinen das Seil vom Pflock loszubinden, aber es ist zu fest. Sie schaffen es nicht ihre Eltern zu befreien. Zu lange schon tragen diese, ohne es zu bemerken, das Seil mit sich herum. Es ist zu einem Teil von ihnen geworden.
Die Familie und die Gesellschaft, in der wir aufwachsen, prägt uns und oft meinen wir es genauso weiterführen zu müssen, wie es uns vorgelebt wird, damit wir sicher sind, ein akzeptierter Teil der Gemeinschaft. „Das gehört sich so, das macht man so“ – Punkt. Warum sollten wir es hinterfragen?
Wir vertrauen auf die Weisheit und Lebenserfahrung der Erwachsenen und geben uns dem hin. Das ist der natürliche Lauf der Dinge.
Sind wir selbst erwachsen, dann reagieren und denken wir meist so, wie wir es übernommen haben. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt tun wir das wohlmöglich ohne es zu hinterfragen, aber eines Tages merken wir, dass es sich nicht gut anfühlt und sich etwas in uns zusammen zieht.
Der Groll, gegen andere gerichtet, macht auch etwas mit uns. Ich kann mich in solchen Situationen dann meist selbst nicht ausstehen, weil ich so nicht sein will. Der Groll wird auf mich zurück geworfen. Ich schade mir damit selbst und mein Herz zieht sich zusammen.
Nach der Selbstverurteilung kommen dann oft Fragen auf, wie:
„Warum bin ich so?“ und „Wo kommt das her?“
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein „Ich will so nicht mehr sein!“ leider nicht ausreicht. Das Leben schickt uns so lange Situationen, in denen wir dieses Muster wiederholen, bis wir uns trauen in die Tiefe zu gehen und zu forschen. Das braucht Zeit und oft mehrere Anläufe, denn Schicht für Schicht, Zwiebelschale für Zwiebelschale dürfen wir ablegen, was uns nicht mehr dient.
Machen wir uns ein bestimmtes Muster bewusst, halten inne, richten uns auf und lassen den Blick schweifen, können wir sehen, was uns begrenzt. Da ist etwas, dass sich immer wiederholt, wir drehen uns in einem Kreis. Wir waren den begrenzten Radius so gewöhnt, dass wir vergessen haben, dass es da draußen so viel mehr gibt.
Erst wenn wir dies erkennen und dabei spüren, dass wir uns damit selbst Schaden zufügen, können wir tiefer tauchen und verstehen lernen. Das Leben hat uns, Faden für Faden, mit Glaubenssätzen und Verurteilungen umwickelt, bis daraus ein dickes Seil geworden ist, dass wir nicht einmal mehr wahr genommen haben.
Wir blicken an uns herab und entdecken das enge Seil-Korsett, welches uns zuschnürt und begrenzt. Nun merken wir auch, wie schwer uns das Atmen fällt und können gar nicht mehr verstehen, wie wir diesen Zustand so lange unbemerkt aushalten konnten.
Fangen wir an am Seil herum zu zerren, um es schnell weg zu bekommen, dann sollten wir relativ schnell feststellen, dass wir so nicht weiter kommen. Ja, es ist anstrengend und braucht Zeit, aber wir dürfen nie vergessen, dass wir schon einen großen Schritt bis hierher gemacht haben. Wir können zu allererst stolz auf uns sein und dann mit unserer neu gewonnenen Bewusstheit anfangen uns, Faden für Faden, von unserem Seil zu befreien.
Die Selbstreflexion ist hier ein sehr wichtiger Schritt, auch die sogenannte „Schattenarbeit“ kann hilfreich sein. In einem der nächsten Beiträge werde ich etwas näher auf diese Themen eingehen. Wenn Du nicht so lange warten möchtest, können Dir auch die bisherigen Beiträge von mir eine Stütze sein, damit Du für Dich selbst ein bisschen tiefer gehen kannst.
Gehen wir in die Eigenverantwortung und trauen uns nach Innen zu gehen, hilft uns das dabei, unabhängig vom Pflock der Gesellschaft und dem Seil der Glaubensmuster ein sich selbst bewusstes Leben zu führen. Frei von korsettartigen Begrenzungen und Groll, der uns den Atem nimmt und das Herz klein macht.
Kommen wir in unsere Kraft, fangen an selbstbestimmt und unabhängig unsere eigene Wahrheit zu leben, tief aus unserem Herzen heraus, können wir die Verbitterung hinter uns lassen und anderen Menschen die Hände reichen, damit auch sie sich von Begrenzungen befreien können.
Alles Liebe,
Anja
Hallo, ich bin Anja, Energetikerin, Gründerin von Herzfalter und Entwicklerin der innovativen Genomantik-Methode.
Mit energetischen Sichtungen, 1:1-Begleitungen, Blogbeiträgen, Videos, Kursen und meinem Podcast unterstütze ich Menschen dabei, ihre persönliche Entwicklung zu fördern und Blockaden zu überwinden. Mit Herz und Intuition helfe ich Dir, Deinen eigenen Weg zur Selbstheilung und Transformation zu finden. Meine Vision ist eine Welt, in der sich die Menschen wieder ihrer eigenen Stärke bewusst werden, sich nicht länger von anderen abhängig fühlen und alle Möglichkeiten kennen und anwenden, um sich selbst zu heilen.
Hier geht es zum Thema „Schattenarbeit“