Herzfalter

Der laute Verstand

…und die Angst vor Kontrollverlust

Der laute Verstand Blog Lebenshilfe Herzfalter
© Pixabay

06.02.2024

Ich befinde mich gerade in einer Phase, in der mir bewusst wird wie sehr mein Verstand versucht mich anzutreiben. Vorwärts soll es gehen, ins „Machen“ müsste ich kommen, etwas tun um weiter zu gehen und erfolgreich zu sein. „Das geht ja wohl besser, sieh doch nur, wie andere das machen. Du musst etwas tun, das kommt nicht einfach zu Dir. Streng Dich an! Ohne Fleiß, kein Preis!“

Ich sehe mich an einer Steilwand hochklettern. Ich schwitze, meine Muskeln sind zum Zerreißen gespannt, der nächste Krampf kündigt sich schon an, aber ich beiße die Zähne zusammen und versuche mich hochzuziehen. Meine Hände sind schon ganz wund, voller Blasen und sie tun mit jedem Griff mehr weh. In meinem Kopf hämmert es. Mein Körper ruft nach Wasser und Nahrung.    Er braucht eine Pause um wieder zu Kräften zu kommen.

Unter mir steht eine Gruppe von Menschen. Sie tragen Anzüge, einige haben einen Aktenkoffer in der Hand. Wild gestikulieren sie mit ihren Händen und rufen mir zu ich solle weiter machen, bis oben sei es nicht mehr so weit. Nur nicht aufgeben, weiter kämpfen. Wenn ich erst oben sei, wäre all die Anstrengung vergessen. Dann könne ich mich immer noch ausruhen. Sie hätten es schließlich auch geschafft.

Komisch, ich weiß eigentlich gar nicht, was ich da oben auf dem Berg soll. Ist das wirklich mein Wunsch, zur Bergspitze zu kommen? Was mache ich hier und will ich wirklich – um jeden Preis – nach ganz oben? Was nützt mir eine schöne Aussicht, wenn ich sie gar nicht mehr genießen kann? Körperlich völlig erschöpft möchte ich dann nur noch meine Wunden heilen und schlafen.

Während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, bemerke ich unter mir eine zweite Gruppe, auf der anderen Seite. Dort wedelt keiner mit den Armen, sie stehen ganz still, schauen zu mir nach oben und beobachten, mit leicht verwirrter Mine, meinen anstrengenden Aufstieg. Mir fällt ein älterer Mann auf, er erinnert mich an meinen verstorbenen Opa. Unsere Blicke treffen sich und er zeigt mit dem Finger auf den Boden unter mir.

Ich drehe meinen Kopf nach unten und sehe eine wunderschöne Blumenwiese. Schmetterlinge, Hummeln und andere Insekten fliegen voller Freude von Blüte zu Blüte. Die Sonne wirft ihr wärmendes Licht auf den Boden und es ist als ob sie dazu einladen würde, mich auf der Wiese niederzulassen.

Aber ich darf keine Pause machen, ich muss weiter gehen, muss doch etwas tun, oben ankommen.

Ich schaue wieder auf die Wand und mein Ziel – weit oben. Jetzt fällt mir auf wie schattig, kühl und feucht es an der Felswand ist. Ich bekomme eine Gänsehaut, mir wird kalt.

„Du bist doch schon so weit gekommen, Du willst doch wohl jetzt nicht aufgeben!“ ruft es laut und energisch aus der ersten Gruppe der Anzugträger.

Ja, wie weit bin ich eigentlich gekommen?

Ich blicke nach unten und traue meinen Augen kaum. Ich bräuchte nur los lassen und mit einem Sprung wäre ich auf der Blumenwiese. Wie kann das sein, ich hänge doch schon so lange an der Steilwand und es war so anstrengend. Meine Hände sind wund, der Körper schmerzt – und all das für diesen kurzen Weg, den ich bisher geschafft habe? Plötzlich erscheint mir die Bergspitze überhaupt nicht mehr attraktiv und jetzt verstehe ich auch die fragenden Blicke der zweiten Gruppe. Wie seltsam muss das aussehen, was ich hier veranstalte? Die ganze Anstrengung für ein paar Meter?

Für mich ist nun klar, ich werde loslassen und auf den Boden springen. Alles andere macht für mich keinen Sinn mehr.

Meine Hände halten sich noch immer krampfhaft an der Felswand fest und meine Beine zittern unter der angespannten Haltung, aber es fällt mir schwer die Finger zu lösen. Es ist als hätten sie sich verkrampft. Zu lange schon bin ich in diesem Zustand. Mein Körper und mein Verstand haben Angst davor loszulassen.

Ich schaue erneut zur zweiten Gruppe. Sie lächeln mir aufmunternd zu und der ältere Herr nickt freundlich. Sie könnten mir die Hände reichen, aber ich soll es anscheinend ganz alleine schaffen. Das braucht Mut, aber es ist machbar.

Plötzlich taucht ein kleines Mädchen auf. Sie schiebt sich zwischen den Beinen der anderen hindurch nach vorne, lacht aus vollem Herzen, springt in die Luft und ruft mir zu „Fang mich!“

Ich lasse mich von der Leichtigkeit sofort anstecken, vergesse meine Schmerzen und meine Ängste und lasse los. Ich laufe ihr hinterher, meine nackten Füße berühren das weiche warme Gras. Es kitzelt und die körperliche Anspannung ist plötzlich verschwunden. Ich habe das Mädchen eingeholt und tippe ihr lachend auf die  Schulter. „Hab Dich!“. Sie dreht sich um, lächelt mich an und ich schaue mir selbst in die Augen.

Wir lassen uns auf den Boden fallen, legen uns auf den Rücken, halten uns an den Händen und schauen gemeinsam in den Himmel. Es summt und brummt um uns herum. Wir genießen die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut und beobachten die Vögel am Himmel.

Die Vogelperspektive einzunehmen kann so einfach sein, denke ich. Wir brauchen nur unsere Flügel auszubreiten, in die Lüfte steigen und darauf vertrauen, dass sie uns sicher in der Luft tragen werden. Wir dürfen uns den natürlichen Luftstrom zu Nutze machen und mit dem Wind im Rücken, ohne viel Kraftaufwand, dahin fliegen wohin unser Herz uns trägt.

Die Stimme des Verstandes begleitet uns unser ganzes Leben. Je älter wir werden, umso lauter wird sie und irgendwann haben wir uns so an sie gewöhnt, dass es uns fast unmöglich scheint auch ohne sie sehr gut zurecht zu kommen, vielleicht sogar besser. Dieser innere Drang sich beweisen zu müssen, viel tun zu müssen hat so stark Besitz von uns ergriffen, dass es zu einem Teil von uns geworden ist und wir das Gefühl haben, ohne diesen inneren Antrieb gar nicht mehr existieren zu können. Nichts zu tun und Dinge auf uns zukommen lassen – fast unmöglich.

Das Jahrzehntelange klettern an der Steilwand, die Anspannung im Körper……einfach loslassen?….undenkbar. Wozu denn dann all die Mühe? Wir tragen oft den Glauben in uns, dass es anstrengend sein muss, damit wir auch verdient die Früchte des Lebens ernten können. Doch warum darf es nicht auch leicht gehen und könnte es uns nicht vielleicht gut tun wieder mehr wie die Kinder zu sein, die wir einst waren?

Voll bedingungslosen Vertrauens haben wir in den Tag hinein gelebt, völlig egal was gestern war oder morgen sein wird. Es durfte leicht gehen und das ohne schlechtes Gewissen. Wir hatten keine Angst davor die Kontrolle zu verlieren, denn wir wussten genau, tief ins uns drinnen, dass es keine Kontrolle braucht, sondern nur das Vertrauen in die innere Stimme.

Hast Du auch Angst davor in Deinem Leben die Kontrolle zu verlieren?

Für mich sind die eigenen Träume immer ein sehr guter Hinweis auf unbewusste Ängste.

Wenn in den Nächten meine Bremsen im Auto plötzlich nicht mehr funktionieren oder das Geländer am Balkon im 10.Stock fehlt, der Zug mit all meinen Koffern drin vor meiner Nase wegfährt oder ich plötzlich irgendwo herunter stürze, ist das für mich inzwischen ein Zeichen dafür, dass ich das Gefühl habe irgendwo in meinem Leben die Kontrolle zu verlieren.

Das kann sich für Dich in Deinen Traumbildern ganz anders zeigen, aber wenn Du magst kannst Du Dir ja ein Traumtagebuch anlegen. Mir hat das sehr dabei geholfen gewisse Traummuster zu erkennen, die sich – je nach Lebenssituation – wiederholen. 

Sobald wir anfangen gewisse Dinge in unserem Leben zu hinterfragen, sie nicht mehr nur tun, weil wir das halt so gewohnt sind und mehr auf unseren Körper und unsere Träume achten, sind wir schon einen großen Schritt weiter. Wir dürfen uns dann für Möglichkeiten öffnen, die leichter sind und erkennen, dass es oft nur einen Sprung braucht, damit wir, voller Lebensfreude, wieder mit uns selbst Fangen spielen können.

Alles Liebe,

Anja

P.S.: Wenn Du Dich inneren Blockaden stellen und erforschen möchtest, in welchen Bereichen Du noch zu sehr den Wunsch nach Kontrolle lebst, dann ist vielleicht meine 1:1 Begleitung etwas für Dich. Sieh Dich auch gerne auf meiner Angebotsseite um, ob etwas für Dich dabei ist, das Dich anspricht.

Autorin

Hallo, ich bin Anja, Energetikerin, Gründerin von Herzfalter und Entwicklerin der innovativen Genomantik-Methode.
Mit energetischen Sichtungen, 1:1-Begleitungen, Blogbeiträgen, Videos, Kursen und meinem Podcast unterstütze ich Menschen dabei, ihre persönliche Entwicklung zu fördern und Blockaden zu überwinden. Mit Herz und Intuition helfe ich Dir, Deinen eigenen Weg zur Selbstheilung und Transformation zu finden. Meine Vision ist eine Welt, in der sich die Menschen wieder ihrer eigenen Stärke bewusst werden, sich nicht länger von anderen abhängig fühlen und alle Möglichkeiten kennen und anwenden, um sich selbst zu heilen.

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