Ich habe das Gefühl als wäre ich ausgespuckt worden. Ich liege in einem leeren Raum, auf einem kalten, nackten Fußboden. Es ist dunkel, aber ich kann die kahlen Wände, die mich umgeben, erkennen. Da liege ich nun und weiß nichts mit mir anzufangen, habe keine Ahnung, was ich dort überhaupt soll. Es ist als wäre nichts mehr wirklich wichtig und als wäre es egal, ob ich da bin oder nicht. Es macht keinen Unterschied. Ich bin einfach, aber das ist mir zu wenig.
Es geht nicht vor und nicht zurück und ich bekomme das Gefühl, als hätte jemand den „Reset“-Knopf gedrückt, alles auf Anfang, auf Neustart gesetzt. Da ist nichts auf dem ich aufbauen kann, nichts wo es hingehen soll. Alles wirkt so fade, so unaufgeregt und still. Als würde ich in einer Zwischenwelt hängen und darauf warten, dass ich auf die nächste Zeitlinie aufspringen kann.
Das alte Leben ist vorbei, aber das Neue hat noch nicht angefangen. „Es liegt nun an Dir, was Du daraus machst“ sagt es in meinem Kopf. Als hätte ich bisher aus einem Drehbuch heraus gelebt, hätte Regieanweisungen befolgt, ein klares Ziel vor Augen. Nun ist der Film abgedreht und die Darsteller sind nach Hause gegangen.
Da bin ich nun, in diesem ungemütlichen leeren Raum und weiß nichts mit mir anzufangen. Kein Plan was das für mich bedeutet und wo es hingehen soll. Soll es überhaupt noch irgendwo hingehen? Ich suche nach einer Tür, kann aber keine finden. Plötzlich wackelt der ganze Raum und ich habe das Gefühl in einem Container zu stehen, der irgendwohin bewegt wird, auf ein Schiff verladen. Das ich darüber keine Kontrolle habe, gefällt mir ganz und gar nicht.
Mein Blick fällt nach unten und ich sehe in einer Ecke eine ganz kleine Tür, deren Umrisse aufleuchten, da von außen Licht drauf scheint. Sofort muss ich an „Alice im Wunderland“ denken, denn durch diese Tür passt gerade mal eine kleine Maus hindurch. Kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, stehe ich direkt davor und bin anscheinend geschrumpft, denn ich kann nun durch sie hindurchgehen.
Ich öffne die Tür und blicke aufs Meer. Eine kräftige Windböe bläst mir entgegen, die feuchte Luft hinterlässt eine angenehme Frische auf der Haut und ich fühle mich gleich viel wacher. Mein Energielevel steigt und das Gefühl von Stillstand ist verschwunden, als hätte der Wind es davon getragen. Etwas weiter entfernt kann ich eine Insel sehen und muss an Robinson Crusoe denken.
Im nächsten Augenblick stehe ich mit nackten Füßen im Sand und sehe aufs weite Meer hinaus. Das Schiff ist verschwunden. Ich sehe mich etwas um und kann, etwas weiter entfernt, eine kleine Holzhütte erkennen. Sie ist umgeben von unglaublich vielen Pflanzen und Bäumen. Farbenprächtige Vögel lassen sich in der Umgebung nieder und die Luft ist erfüllt von Tier- und Naturgeräuschen.
Ich gehe auf die Hütte zu, neugierig was mich dort wohl erwarten mag. An der hübschen kleinen Holztür angekommen, klopfe ich an und rufe: „Hallo, jemand zu Hause?“ Die Tür war anscheinend nur angelehnt, denn sie öffnet sich während ich klopfe.
Wie gemütlich es hier ist. Es fühlt sich an, wie nach Hause kommen. Mir wird warm ums Herz und meine Lippen verformen sich zu einem Lächeln.
Auf einem robusten alten Holztisch sehe ich einen zusammengefalteten Zettel liegen. Ich spüre, dass darin eine Nachricht für mich sein muss, gehe die paar Schritte auf den Tisch zu, ergreife den Zettel, falte ihn auseinander und beginne zu lesen:
„Willkommen, wie schön, dass Du da bist. Endlich hast Du den Weg hierher gefunden. All das, was Du hier siehst und hörst, hast Du selbst erschaffen und es soll Dir dabei helfen wieder den Weg zu Dir zurück zu finden. Vertraue und lass los, der Rest wird sich von ganz alleine ergeben.“
Jetzt bin ich verwirrt. Die Wörter fühlen sich vertraut an, aber mein Verstand kommt nicht hinterher. Wie soll ich all das selbst erschaffen haben? Ich bin doch das erste Mal hier! Oder nicht?
Für einen Sekundenbruchteil taucht vor meinem inneren Auge ein Bild auf. Ich sitze in dieser Hütte vor dem Tisch an dem ich gerade stehe und schreibe. Dann sehe ich mich, in der Zeit zurück versetzt, an meinem Büroschreibtisch sitzen, in meiner alten Firma. Dort schreibe ich auch. Beide Male ist es der selbe Text, nur in einer anderen Umgebung und zu einer anderen Zeit. An beide Momente habe ich keine bewusste Erinnerung, aber ich spüre, dass alles irgendwie zusammenhängt.
„Du hast aber eine blühende Fantasie!“ Oh, diesen Satz habe ich in meiner Kindheit sehr oft gehört und meine inneren Bilder dann auch recht schnell als Fantasie, als Hirngespinst abgetan. Das kam nicht gut an bzw. wurde nicht als existent angesehen. Also passte ich mich an und behielt die Bilder für mich, bis ich sie irgendwann selbst nicht mehr bewusst wahrnahm.
Ich kann mich generell nicht an sehr viel aus meiner Kindheit erinnern. Vor allem nicht an die Zeit, in der mein Herz noch weit offen stand. An die besonders schönen oder die besonders unschönen Momente habe ich schon meine Erinnerungen, aber ich denke auch hier habe ich vieles, dass mein kleines Kinderherz verletzte, tief im Unterbewusstsein vergraben.
Kannst Du Dich noch an viele Situationen und Herausforderungen aus Deiner Kindheit erinnern? Hast Du mehr Erinnerungen an positive oder negative Erlebnisse?
Wenn wir, meistens erst im Erwachsenenalter, damit beginnen zu reflektieren und uns mit Schattenarbeit beschäftigen, kommt (wenn es an der Zeit ist) vielleicht das ein oder andere Bild, die ein oder andere Erinnerung aus unserer Kindheit wieder hoch. Dann begreifen wir oft erst, wie sehr uns diese bestimmte Situation verletzt hat und wie lange wir sie schon, ins Unbewusste, verdrängt haben.
Es ist sehr wichtig darauf zu vertrauen, dass Schicht für Schicht und im eigenen Tempo die Erinnerungen an alte Verletzungen an die Oberfläche kommen, wenn wir dafür bereit sind. Ich kenne das nur zu gut. Fängt man mit der inneren „Arbeit“ an und hat seine ersten „Erfolge“, dann ruft das oft den inneren Antreiber in uns wach, der meint es besonders gründlich machen zu wollen. Da wird dann gesucht und gegraben, gegrübelt und geforscht. Die Eltern werden befragt, alte Fotos oder Tagebucheinträge angesehen….u.v.m. Dadurch tappen wir schnell in das spirituelle Ego, dass möglichst schnell mit allem fertig sein will, um dann sagen zu können: „Ich bin mit allem durch!“.
Doch sind wir überhaupt wirklich durch? Da bin ich mir persönlich nicht so sicher. Schließlich geht das Leben doch weiter und nur weil wir das so wollen zeigen sich auch nicht alle abgespaltenen Anteile von uns sofort. Das würde unseren Körper sicher auch mehr belasten als ihm gut tut. Lösen wir besonders hartnäckige und schwere Themen in uns, dann braucht das auch Erholungszeit für Geist und Körper.
Wir dürfen da auf unsere höheren Ebenen vertrauen, die ganz genau wissen, wann welcher Schritt dran ist.
Tja, und manchmal kann es dann vorkommen, dass wir uns wie ausgespuckt fühlen, in einen Raum geworfen und wir das Gefühl haben festzustecken. Doch wenn wir uns eine Auszeit genommen haben, darauf vertrauen, dass sich die nächste Tür für uns öffnen wird, wenn es soweit ist, dürfen wir den nächsten Schritt gehen und vielleicht irgendwann verstehen, was wir uns selbst (aus einer höheren Ebene) dabei gedacht haben.
Wenn Du heute einen Brief an Dein Ich aus der Vergangenheit schreiben würdest, was würde drin stehen?
Würdest Du Dir nicht Mut machen und Dich ermuntern? Ist nicht rückblickend alles gut so wie es war, besonders wenn Du eine schwierige Phase mit vielen Herausforderungen durchlaufen hast, aus der Du gestärkt heraus gekommen bist?
Hören wir auf etwas erzwingen zu wollen, vertrauen darauf, dass die Erinnerungen die wir für unseren nächsten Schritt brauchen, zum richtigen Zeitpunkt an die Oberfläche kommen, dann können wir, mit etwas Übung, irgendwann loslassen.
Im warmen Sand sitzend schauen wir dann aufs Meer der Möglichkeiten und wissen ganz genau, dass sich irgendwann, zum richtigen Zeitpunkt, das nächste Abenteuer am Horizont zeigen wird.
Alles Liebe,
Anja
Hallo, ich bin Anja, Energetikerin, Gründerin von Herzfalter und Entwicklerin der innovativen Genomantik-Methode.
Mit energetischen Sichtungen, 1:1-Begleitungen, Blogbeiträgen, Videos, Kursen und meinem Podcast unterstütze ich Menschen dabei, ihre persönliche Entwicklung zu fördern und Blockaden zu überwinden. Mit Herz und Intuition helfe ich Dir, Deinen eigenen Weg zur Selbstheilung und Transformation zu finden. Meine Vision ist eine Welt, in der sich die Menschen wieder ihrer eigenen Stärke bewusst werden, sich nicht länger von anderen abhängig fühlen und alle Möglichkeiten kennen und anwenden, um sich selbst zu heilen.